Unternehmensbewertung Handwerk
EBITDA-Multiple im Handwerk — Branchentabelle 2025
Der EBITDA-Multiple ist die wichtigste Kennzahl bei der Bewertung von Handwerksbetrieben. Er gibt an, das Wievielfache des operativen Gewinns (EBITDA) ein Käufer bereit ist zu zahlen. Im Handwerk liegen die Multiples je nach Branche, Betriebsgröße und Ertragsstabilität zwischen 3× und 6,5×.
Kurzantwort
Im deutschen Handwerk liegen EBITDA-Multiples 2025 typischerweise zwischen 3× und 4× (Allgemein), 3–4,5× (Dach/Bau), 5–7× (Solar/PV), 4–6× (SHK, Heizung/Klima) und 4,5–6,5× (Elektro). Höhere Multiples erzielen Betriebe mit stabilem Recurring Revenue, geringer Inhaber-Abhängigkeit und dokumentierten Prozessen.
Was ist ein EBITDA-Multiple?
EBITDA steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization — zu Deutsch: Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Der EBITDA-Multiple (auch EV/EBITDA-Multiplikator) gibt an, wie viele Jahresgewinne ein Käufer für den gesamten Betrieb zahlt. Formel: Unternehmenswert = Normalisiertes EBITDA × Branchenspezifischer Multiple. Ein Betrieb mit 150.000 € normalisiertem EBITDA und einem Multiple von 4× hat einen Unternehmenswert von 600.000 €. Der "normalisierte" EBITDA bereinigt einmalige Sondereffekte (z. B. außerordentliche Reparaturen), das Inhabergehalt auf ein marktübliches Niveau und private Ausgaben, die als Betriebsausgaben verbucht wurden.
Branchentabelle: EBITDA-Multiples Handwerk 2025
Aktuelle Transaktionsdaten aus dem deutschen Handwerk (Quelle: Werkwert-Datenbank, KfW 2025, M&A-Marktstudie IfM Bonn):
- Elektro- und Gebäudetechnik: 4,5–6,5×
- SHK (Sanitär, Heizung, Klima): 4,0–6,0×
- Heizungs- und Klimatechnik: 4,0–6,0×
- Solar und Photovoltaik: 5–7×
- Dach- und Bautechnik: 3,0–4,5×
- Allgemeines Handwerk (Maler, Schreiner, etc.): 3,0–4,0×
Welche Faktoren beeinflussen den Multiple?
Der EBITDA-Multiple ist kein fixer Wert, sondern ein Verhandlungsergebnis. Diese Faktoren erhöhen oder senken ihn:
- Inhaber-Abhängigkeit: Ist der Betrieb ohne den Inhaber handlungsfähig? Hohe Abhängigkeit drückt den Multiple um bis zu −4 %.
- Kundenstamm: Langfristige Wartungsverträge und Stammkundenquote treiben den Multiple nach oben.
- Mitarbeiterstruktur: Qualifizierte, langfristig gebundene Mitarbeiter sind ein Plus.
- Digitalisierungsgrad: Dokumentierte Prozesse, ERP-System und Online-Präsenz erhöhen die Käuferattraktivität.
- Wachstum: Betriebe mit positivem Umsatztrend erzielen höhere Multiples als stagnierend oder schrumpfend.
- Branchentrend: Solar und Elektro profitieren von Energiewende-Tailwind (höhere Multiples).
Rechenbeispiel: Tischlerei mit 120.000 € EBITDA
Ausgangslage: Tischlerei, 8 Mitarbeiter, EBITDA 120.000 € (nach Normalisierung), keine Wartungsverträge, mittlere Inhaber-Abhängigkeit. Multiple-Bandbreite Allgemeines Handwerk: 3,0–4,0× Unternehmenswert untere Grenze: 120.000 × 3,0 = 360.000 € Unternehmenswert obere Grenze: 120.000 × 4,0 = 480.000 € Werkwert-Schätzung bei mittlerer Positionierung: 3,3× = 396.000 € Abzüglich Netto-Verbindlichkeiten ergibt sich der Eigenkapital-Kaufpreis (Equity Value).
EBITDA-Multiple vs. Umsatzmultiple: Was wird wann verwendet?
Im professionellen M&A wird fast immer der EBITDA-Multiple verwendet, da er ertragsorientiert ist. Der Umsatzmultiple (z. B. 0,5–1,5× Umsatz) ist nur eine Notlösung bei EBITDA-negativen Betrieben oder sehr jungen Unternehmen ohne verlässliche Ertragsbasis. Vorsicht: Branchenverzeichnisse und Online-Bewertungsrechner verwenden häufig Umsatzmultiples, was zu erheblichen Über- oder Unterbewertungen führen kann. Werkwert arbeitet ausschließlich mit normalisierten EBITDA-Multiples aus aktuellen Transaktionsdaten.
Häufige Fragen
- Was ist ein EBITDA-Multiple?
- Ein EBITDA-Multiple gibt an, das Wievielfache des operativen Gewinns (EBITDA) ein Käufer für einen Betrieb zahlt. Im Handwerk liegen die Multiples typischerweise zwischen 3× und 6,5× — abhängig von Branche, Größe und Ertragsstabilität.
- Welcher Multiple gilt für meinen Handwerksbetrieb?
- Das hängt von Ihrer Branche ab. Elektrobetriebe erzielen 4,5–6,5×, SHK- und Heizungsbetriebe 4–6×, Solarbetriebe 5–7×, Dach-/Baubetriebe 3–4,5× und allgemeines Handwerk 3–4×. Inhaber-Abhängigkeit und Kundenstamm können den Multiple innerhalb dieser Bandbreite verschieben.
- Wie berechne ich das EBITDA meines Betriebs?
- EBITDA = Betriebsergebnis + Zinsen + Steuern + Abschreibungen. Dann normalisieren: Inhabergehalt auf marktübliches Niveau (z. B. 80.000–100.000 € für einen Vollzeit-GF) anpassen, einmalige Sonderposten herausrechnen. Werkwert hilft Ihnen bei der Normalisierung kostenlos.
- Warum sinkt der Multiple bei hoher Inhaber-Abhängigkeit?
- Käufer zahlen für zukünftige Erträge. Wenn der Betrieb ohne den Inhaber deutlich weniger verdient oder wichtige Kunden den Inhaber persönlich kennen, ist das Risiko für den Käufer höher. Laut Transaktionsdaten führt hohe Inhaber-Abhängigkeit zu einem Discount von bis zu −4 % auf den Multiple.
- Wie unterscheidet sich EBITDA-Multiple von Unternehmenswert (Enterprise Value) und Kaufpreis (Equity Value)?
- EBITDA × Multiple = Enterprise Value (Unternehmenswert gesamt). Enterprise Value − Netto-Verbindlichkeiten (Schulden minus liquide Mittel) = Equity Value (Kaufpreis für die Unternehmensanteile). Im LOI und SPA wird in der Regel der Equity Value vereinbart.
Quellen
- IfM Bonn: Unternehmensnachfolge in Deutschland 2025 — Zahlen und Fakten
- KfW Research: Unternehmensübergaben im Mittelstand 2025
- Werkwert-Transaktionsdatenbank: EBITDA-Multiples Handwerk DE 2023–2025