Betrieb kaufen
Betrieb kaufen: Ablauf & Checkliste — 7 Phasen 2025
Der durchschnittliche Kaufpreis für einen deutschen Handwerksbetrieb liegt bei 499.000 € (KfW 2025). Doch Preis ist nicht alles: Der Käufer navigiert durch Target-Screening, Due Diligence, Bankfinanzierung und SPA-Verhandlung — in sieben klar definierten Phasen. Werkwert strukturiert den Prozess von Anfang bis Closing.
Kurzantwort
Ein Betrieb kaufen in Deutschland läuft in sieben Phasen ab: (1) Suchprofil und Target-Screening, (2) Erstkontakt und NDA, (3) Exposé-Analyse und erste Bewertung, (4) LOI, (5) Due Diligence, (6) Finanzierung sichern, (7) SPA und Closing. Der Gesamtprozess dauert typischerweise 9–15 Monate.
Phase 1–2: Suchprofil und Erstkontakt
Bevor Sie einen Betrieb kaufen, brauchen Sie ein klares Suchprofil: Region, Branche, Umsatzgröße, EBITDA-Mindestanforderung, maximaler Kaufpreis und gewünschte Übergabeform. Ein zu breites Suchprofil führt zu Zeitverlust bei unpassenden Targets; ein zu enges schränkt die Optionen unnötig ein. Nach dem ersten Kontakt mit einem Verkäufer oder Berater folgt die NDA-Unterzeichnung. Erst dann erhalten Sie das vollständige Exposé mit Finanzkennzahlen, Kundenstamm und Mitarbeiterliste.
Phase 3–4: Exposé-Analyse und LOI
Das Exposé gibt Ihnen die erste Grundlage für eine eigene Bewertung. Prüfen Sie: Stimmt das genannte EBITDA? Ist es normalisiert? Welche Kunden generieren welchen Umsatz? Wie abhängig ist der Betrieb vom Inhaber? Der Letter of Intent (LOI) ist Ihre erste verbindliche Preisäußerung. Er ist rechtlich nicht bindend — außer der Exklusivitätsklausel (60–90 Tage) und dem NDA. Im LOI fixieren Sie Preisvorstellung, Transaktionsstruktur (Asset Deal oder Share Deal) und Übergabebedingungen.
Phase 5: Due Diligence — was wird geprüft?
Die Due Diligence (DD) ist die systematische Prüfung aller wesentlichen Bereiche des Betriebs vor dem Kauf. Sie schützt den Käufer vor unerkannten Risiken und ist Voraussetzung für die Bankfinanzierung.
- Financial DD: Prüfung der Finanzkennzahlen, Normalisierung EBITDA, Cashflow-Analyse
- Legal DD: Verträge, Genehmigungen, Haftungsrisiken, laufende Rechtsstreitigkeiten
- Tax DD: Steuerliche Altlasten, offene Betriebsprüfungen, steuerliche Struktur
- Commercial DD: Kundenstamm, Wettbewerbsposition, Markttrend
- Operations DD: Mitarbeiter, IT-Systeme, Maschinen und Anlagen
Phase 6–7: Finanzierung und Closing
Die Finanzierung sollte parallel zur Due Diligence vorbereitet werden — nicht danach. Banken und KfW brauchen die DD-Ergebnisse für die Kreditentscheidung. Typische Kapitalstruktur: 25–45 % Eigenkapital, 35–50 % Bankkredit, 0–15 % KfW, 10–30 % Vendor-Loan. Das Closing umfasst: SPA-Unterzeichnung beim Notar, Kaufpreiszahlung, Anteilsübertragung (Share Deal) oder Übergabe der Vermögenswerte (Asset Deal), Einarbeitung des neuen Inhabers.
Häufige Fragen
- Wie lange dauert der Kauf eines Handwerksbetriebs?
- Der Gesamtprozess dauert typischerweise 9–15 Monate — von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Notartermin. Die Due Diligence allein dauert 4–8 Wochen. Parallel dazu läuft die Bankfinanzierung (4–8 Wochen). Mit guter Vorbereitung und einem klaren Suchprofil lässt sich der Prozess auf unter 12 Monate komprimieren.
- Was ist ein LOI und was muss er enthalten?
- Ein LOI (Letter of Intent) ist eine schriftliche Absichtserklärung des Käufers. Er ist rechtlich nicht bindend — außer Exklusivitätsklausel (60–90 Tage) und NDA-Pflicht. Inhalte: Kaufpreisvorstellung, Transaktionsstruktur (Asset/Share Deal), Working-Capital-Annahmen, Übergangszeitraum und Earn-Out-Bedingungen (falls vorgesehen). Alles, was Sie nicht im LOI fixieren, müssen Sie später im SPA verhandeln — dann unter Zeitdruck.
- Welche Gesamtkosten entstehen beim Kauf eines Betriebs?
- Neben dem Kaufpreis entstehen Transaktionskosten von typischerweise 7–12 % des Kaufpreises: Due-Diligence-Kosten (15.000–60.000 € je nach Betriebsgröße), Rechtsanwaltskosten SPA (5.000–20.000 €), Notarkosten (0,5–1,5 % des KP), steuerliche Beratung (3.000–10.000 €) und ggf. M&A-Berater-Provision. Bei einem Kaufpreis von 499.000 € sind das 34.930–59.880 € zusätzlich.
Quellen
- KfW Research: Unternehmensübergaben im Mittelstand 2025
- IfM Bonn: Transaktionskosten und Prozessdauer bei Unternehmensnachfolge DE 2025
- Werkwert M&A-Prozessdatenbank: Kaufprozess Handwerk DE 2023–2025