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Nachfolge-Modelle Handwerk

Nachfolge-Modelle im Vergleich — 7 Optionen für Handwerk 2025

Es gibt nicht den einen richtigen Weg, einen Handwerksbetrieb zu übergeben. Sieben Nachfolge-Modelle stehen zur Auswahl — mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen für Verkäufer, Käufer und Mitarbeiter. Werkwert erklärt alle sieben und hilft bei der Wahl des passenden Modells.

Kurzantwort

Die sieben Nachfolge-Modelle im Handwerk sind: Asset Deal, Share Deal, Familieninterne Übergabe, Management Buy-In (MBI), Management Buy-Out (MBO), Vendor-Loan und Earn-Out. Für die meisten Handwerksbetriebe unter 1 Mio. € Kaufpreis ist der Asset Deal am gebräuchlichsten. Share Deal und Earn-Out gewinnen bei größeren Betrieben an Bedeutung.

Modell 1 & 2: Asset Deal vs. Share Deal

Die grundlegende Entscheidung im Unternehmensverkauf: Werden einzelne Vermögenswerte verkauft (Asset Deal) oder die Gesellschaftsanteile (Share Deal)?

  • Asset Deal — Käufer kauft: Kundenstamm, Maschinen, Fahrzeuge, Lagerbestand, ausgewählte Verträge. Vorteil Käufer: höhere AfA-Basis (step-up auf Buchwerte). Nachteil: jeder Vertrag muss neu übertragen werden.
  • Share Deal — Käufer kauft: GmbH-Anteile. Vorteil: Verträge gehen automatisch über. Nachteil für Käufer: übernimmt auch Haftungsrisiken der Vergangenheit. Steuer Verkäufer (§17 EStG, >1 % Beteiligung GmbH): ca. 26,4 % (Teileinkünfteverfahren).
  • Asset Deal steuerlich für Verkäufer: §16 EStG (Betriebsveräußerung), Freibetrag bis 45.000 €, 56er-Regelung möglich bei Alter über 55 Jahren.
  • Praktischer Hinweis: Käufer bevorzugen oft Asset Deals (klare Haftungsabgrenzung), Verkäufer oft Share Deals (einfachere Übertragung, Teileinkünfteverfahren).

Modell 3: Familieninterne Übergabe

Die familieninterne Nachfolge ist die häufigste Form der Betriebsübergabe im deutschen Handwerk. Der Betrieb bleibt im Familienbesitz, die Übergabe kann schenkweise (Schenkungsteuer, §13a ErbStG Verschonungsabschlag bis 85 % bei Betriebsvermögen) oder gegen Versorgungsleistungen erfolgen. Vorteil: kein Fremdkapitalbedarf, keine Käufersuche, Kontinuität für Kunden und Mitarbeiter. Nachteil: Konfliktpotenzial in der Familie, mögliche Ungleichbehandlung von Geschwistern, nicht immer ist ein geeigneter Nachfolger in der Familie vorhanden.

Modell 4 & 5: MBI und MBO

Management Buy-In (MBI): Ein externer Manager kauft den Betrieb und führt ihn als neuer Inhaber. Häufig bei Betrieben ohne familieninternen Nachfolger und mit einem starken Managementteam. Der Käufer bringt Eigenkapital (typisch 25–45 %) und finanziert den Rest über Bankkredit und Vendor-Loan. Management Buy-Out (MBO): Bestehende Mitarbeiter oder das Management kauft den Betrieb. Vorteil: Betrieb bleibt in vertrauten Händen, geringeres Übernahmerisiko. Nachteil: interne Führungskräfte haben oft wenig Eigenkapital — häufig kombiniert mit Vendor-Loan und Earn-Out.

Modell 6 & 7: Vendor-Loan und Earn-Out

Vendor-Loan (Verkäuferdarlehen): Der Verkäufer stundet einen Teil des Kaufpreises (typisch 10–30 %) und gewährt dem Käufer ein nachrangiges Darlehen. Laufzeit: 3–7 Jahre, Zinsen: 4–6 %. Vorteil: erleichtert die Finanzierung für den Käufer, signalisiert Vertrauen des Verkäufers in den Betrieb. Nachteil: Verkäufer trägt weiter Risiko. Earn-Out: Ein Teil des Kaufpreises (typisch 10–30 %) ist erfolgsabhängig und wird über 2–4 Jahre nach Closing gezahlt, wenn definierte EBITDA- oder Umsatzziele erreicht werden. Hauptstreitpunkt: Definition des Ziel-EBITDA und mögliche Einflussnahme des Käufers auf Ergebniszahlen. Nur empfehlenswert mit präziser EBITDA-Definition im SPA und klaren Schutzklauseln.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen MBI und MBO?
Beim MBO (Management Buy-Out) kauft das bestehende interne Management oder Führungskräfte den Betrieb. Beim MBI (Management Buy-In) kauft ein externer Manager. MBO hat den Vorteil der Kontinuität, aber interne Führungskräfte haben oft wenig Eigenkapital. MBI bringt frische Perspektive, braucht aber länger für Einarbeitung und Kundenübergabe.
Wann lohnt sich ein Vendor-Loan?
Ein Vendor-Loan (Verkäuferdarlehen) lohnt sich, wenn der Käufer solide ist, aber nicht ausreichend Eigenkapital für die volle Bankfinanzierung hat. Typisch: 10–30 % des Kaufpreises, Laufzeit 3–7 Jahre, Zinsen 4–6 %. Der Vendor-Loan signalisiert außerdem Vertrauen des Verkäufers in den Betrieb — was Banken positiv sehen. Risiko: Verkäufer ist weiterhin Gläubiger des Betriebs.
Wie funktioniert ein Earn-Out und wann ist er sinnvoll?
Beim Earn-Out wird ein Teil des Kaufpreises (10–30 %) erfolgsabhängig gezahlt — meist über 2–4 Jahre, wenn definierte EBITDA- oder Umsatzziele erreicht werden. Sinnvoll bei unsicherer Ertragsentwicklung oder wenn Käufer und Verkäufer unterschiedliche Preisvorstellungen haben. Wichtig: EBITDA-Definition im SPA muss wasserdicht sein, um Manipulationsrisiko zu minimieren.

Quellen

  • IfM Bonn: Nachfolge-Modelle in deutschen KMU 2025
  • KfW Research: Finanzierungsstrukturen bei Unternehmensübergaben 2025
  • Werkwert Transaktionsdatenbank: Nachfolge-Modell-Mix Handwerk DE 2023–2025