Kurzantwort: Ein SHK-Betrieb wird üblicherweise mit dem 4–6-fachen seines bereinigten EBITDA bewertet. Bei einem typischen Betrieb mit 2 Mio. € Umsatz und 15 % EBITDA-Marge ergibt das eine Wertspanne von ca. 1,2–1,8 Mio. €. Entscheidend ist die Bereinigung des EBITDA und die Anpassung des Branchenankers um Betriebs-spezifische Auf- und Abschläge.
Was ist ein SHK-Betrieb — und warum spielt das für die Bewertung eine Rolle?
SHK steht für Sanitär, Heizung, Klima. SHK-Betriebe sind Handwerksunternehmen, die Installation, Wartung und Reparatur von Heizungsanlagen, Sanitäranlagen und Klimasystemen anbieten.
Für die Bewertung relevant sind drei Merkmale des Gewerks:
- Wartungsvertragsanteil: Viele SHK-Betriebe haben Wartungsverträge mit Hauseigentümern oder Hausverwaltungen. Wiederkehrender Umsatz erhöht den Unternehmenswert.
- Fachkräftelage: SHK ist eines der am stärksten vom Fachkräftemangel betroffenen Gewerke. Gut gebundene Mitarbeiter sind ein klarer Werttreiber.
- Energie-Exposure: Durch Wärmepumpe, Solarthermie und Heizungsmodernisierung (GEG) profitieren SHK-Betriebe von staatlicher Nachfrageunterstützung — was das Wachstumspotenzial und damit den Käuferwillen erhöht.
Der Branchen-Multiple für SHK-Betriebe liegt laut KERN/Saaler-M&A-Studie bei 4–6× des bereinigten EBITDA, mit einem Markt-Anker von 5×.
Schritt 1: Bereinigtes EBITDA berechnen
Das bereinigte EBITDA ist die wichtigste Eingangsgröße. Es zeigt die nachhaltige Ertragskraft des Betriebs — unabhängig von Finanzierungsstruktur, Abschreibungen und Sondereffekten.
Bereinigungsschritte (typisch für SHK-Betriebe):
| Position | Betrag |
|---|---|
| Jahresüberschuss (vor Steuern) | + 210.000 € |
| + Abschreibungen (D&A) | + 45.000 € |
| + Zinsaufwand (Fahrzeuge, Betriebsmittel) | + 8.000 € |
| = EBITDA (roh) | 263.000 € |
| + Normalisierung Inhabergehalt (Ist 150k → Markt 90k) | + 60.000 € |
| + Einmaliger Schaden Lagerhaltung (nicht wiederkehrend) | + 12.000 € |
| – Private PKW-Kosten die über Betrieb laufen | – 8.000 € |
| = Bereinigtes EBITDA | 327.000 € |
Warum das Inhabergehalt bereinigen? In vielen Familienunternehmen wird ein zu hohes oder zu niedriges Inhabergehalt angesetzt. Käufer normalisieren auf ein marktübliches Geschäftsführergehalt (für SHK-Betriebe dieser Größe: 80.000–95.000 € p.a.). Was darüber liegt, wird dem EBITDA hinzugerechnet; was darunter liegt, wird abgezogen.
Schritt 2: Multiple-Anker und Adjustments
Beispiel-Betrieb:
- SHK, Ballungsraum (Großraum München)
- 2,1 Mio. € Umsatz, 8 Mitarbeiter + 1 Auszubildender
- Bereinigtes EBITDA: 327.000 €
- Wartungsvertragsumsatz: 35 % des Gesamtumsatzes
- Größter Kunde: 18 % Umsatzanteil
Multiple-Bestimmung:
| Faktor | Einfluss |
|---|---|
| Branchen-Anker SHK | 5,0× |
| Wartungsvertragsanteil 35 % (> 30 % Schwelle) | +0,4× |
| Ballungsraum München | +0,3× |
| Auszubildender = Nachwuchssicherung | +0,1× |
| Größter Kunde 18 % (unter 20 % Schwelle, kein Abzug) | ±0,0× |
| Fuhrpark: 5 Fahrzeuge, Ø-Alter 4 Jahre | ±0,0× |
| Adjustierter Multiple | 5,8× |
Schritt 3: Wertspanne berechnen
Werkwert gibt eine Range statt eines Scheingenauer Punktwerts:
| Szenario | Multiple | Unternehmenswert (Enterprise Value) |
|---|---|---|
| Untergrenze | 4,0× | 327.000 × 4,0 = 1.308.000 € |
| Mittelwert (adj.) | 5,8× | 327.000 × 5,8 = 1.896.600 € |
| Obergrenze | 6,0× | 327.000 × 6,0 = 1.962.000 € |
Enterprise Value ≠ Kaufpreis: Vom Enterprise Value wird die Nettoverschuldung abgezogen (Bankdarlehen − liquide Mittel). Im Beispiel: –80.000 € Netto-Schulden → Equity-Value-Mittelwert: ca. 1.816.600 €.
Häufige Fehler bei der SHK-Bewertung
Fehler 1: Inhaberlohn nicht bereinigen. Wer einen Betrieb mit 150.000 € Inhabergehalt bei einem Marktgehalt von 90.000 € nicht normalisiert, unterschätzt den Wert um 60.000 × Multiple = bis zu 360.000 €.
Fehler 2: Einmalige Umsätze mitzählen. Hatte der Betrieb in einem Jahr einen einmaligen Großauftrag (z. B. Neubau-Projekt), der nicht wiederkehrt, muss dieser bei der EBITDA-Berechnung herausgerechnet werden. Andernfalls wird der Wert zu hoch angesetzt — Käufer erkennen das in der Due Diligence und verhandeln den Preis herunter.
Fehler 3: Substanzwert ignorieren. Für substanzstarke Betriebe (hoher Lagerbestand, viel eigenes Equipment, Betriebsimmobilie) kann der Substanzwert den EBITDA-Multiplikatoren-Wert übersteigen. In diesem Fall gilt der höhere der beiden Werte als Bewertungsanker.
Was kostet eine professionelle SHK-Bewertung?
Eine indikative Bewertungsrange (wie von Werkwert) ist kostenlos. Für verbindliche Gutachten (z. B. für Banken oder Gerichte) fallen Kosten von 3.000–8.000 € an, je nach Betriebsgröße und Gutachterart.
Werkwert erstellt die kostenlose Basis-Bewertung in unter 90 Sekunden — als Orientierung, nicht als rechtlich verbindliches Gutachten.
Quellen: KERN/Saaler M&A-Studie (Handwerk, Transaktionen 2021–2025). Alle Zahlen sind Beispielwerte zur Illustration; sie ersetzen keine individuelle Bewertung.